© Kaupo Kikkas
Geigenfantasien
Ilya Gringolts & Anton Gerzenberg
19 bis 21 Uhr, Pause
Franz Schubert wurde zu seinen virtuosesten Violinwerken durch einen exorbitanten Geiger inspiriert. 1826/27 schrieb er für den „böhmischen Paganini“ Josef Slawik die große C‑Dur-Fantasie. Das einleitende Andante molto kreiert eine unverwechselbare Aura. Es ist eine Elegie aus purem Klang. Die oszillierende Klangfläche des Klaviers und die endlos langen, metrisch kaum mehr zu bestimmenden Melodiebögen der Violine repräsentieren einen Aspekt des Fantasiebegriffs, den später Robert Schumann aufgreifen und theoretisch untermauern sollte: die Idee einer „höheren poetischen Interpunktion“ , die die „Tyrannei des Taktes“ überwindet. In dieser Fantasie durchdringen sich drei verschiedene Aspekte des Fantasiebegriffs – strenge Form, freie Diktion und Brillanz.
Robert Schumann beschreibt in seien drei Stücken Opus 73 – die er ursprünglich für die Klarinette komponiert hat – „Fantasiebilder“, wobei die Melancholie des späten Schumann fast durchweg vorherrscht.
Dagegen besinnt sich Karol Szymanowski in seinen Mythen auf die griechische Mythologie und führt im dritten Satz die berühmten Vierteltöne ein – das Werk gilt als wichtiger Meilenstein im Violinschreiben des 20. Jahrhunderts.
Auch Heinz Holliger knüpft in seinen „Lieder ohne Worte I“ an die romantische Tradition an, entwickelt jedoch eine deutlich modernere Klangsprache im Wechselspiel zwischen lyrischer Ruhe und expressiver Spannung der beiden Instrumente. Seine vier Lieder wirken wie intime musikalische Miniaturen.
Mitwirkende
Ilyia Gringolts
Violine
Anton Gerzenberg
Klavier
Programm
Robert Schumann
Fantasiestücke op.73
Karol Szymanowski
Mythen
***
Heinz Holliger
Lieder ohne Worte, Band 1
Franz Schubert
Fantasie C‑Dur D934
Expressiver, kompromissloser als Gringolts kann man kaum Geige spielen.